23. Februar 2010

Kommentar: Manchmal sollten die Alten einfach auf die Jungen hören

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Niemanden, der sich auch nur halbwegs ernsthaft mit der Materie beschäftigt hat, wird das bereits zweite Urteil, dass die abenteuerliche These, “Reball” verstoße gegen die Würde des Menschen und damit gegen das Grundgesetz überrascht haben. Der Vorwurf ist so dämlich, dass es quietscht.

Im Juli 2007 nahm sich der Kreisverband der Jungen Liberalen des Themas “Reball” an.

“Mit Gewalt habe das Spiel nicht mehr zu tun, als eine Wasserpistolenschlacht von Kindern”, “die Verletzungsgefahr liege weit unterhalb der von Fussball.” “Beim in vielen Schulen üblichen “Völkerball” sei die Menschenwürde sicherlich deutlich ärger in Gefahr, immerhin würden dort per Gummiball spielerisch ganze “Völker” ausgelöscht.” – so und so ähnlich argumentierten die Jungen Liberalen damals. Und damit waren sie allein, sehr allein.

Kritik traf den kleinen Verband von allen Seiten – inklusive der eigenen Mutterpartei. Jürgen Kempf, damals wie heute Fraktionsvorsitzender der FDP im Kreistag hatte die Äußerungen der liberalen Jugendorganisation öffentlich “dummschlau” und distanzierte sich. Dr. Erhard Schäfer von den Grünen nannte die JuLi-Äußerungen gar “dumm und absurd”. Noch stärkerer Gegenwind kam aus den Medien:”Für die Politik disqualifiziert” überschrieb damals eine kreisweite Wochenzeitung einen Kommentar, der sich direkt unter einem Foto vier junger Politiker befand.

Wie ignorant und arrogant sich manche Politiker damals verhalten haben zeigt sehr beispielhaft auch ein Zitat des SPD-Fraktionsvorsitzenden Dirk Oertzen aus dem Jahr 2007, als er eine Einladung des Shape-Clubs, sich wenigstens ein einziges mal anzusehen, was er verbieten will (Quelle: DeutschlandRadio):

Es wird für mich nicht anders, dadurch, dass ich mal angucke, wie es live funktioniert. Ich glaube, alle, die entschieden haben, dazu gehöre ich auch, wissen sehr wohl, was Reball ist und lehnen es genau aus diesem Grund ab.

Heute, nachdem bereits in zweiter gerichtlicher Instanz festgestellt worden ist, dass die Einschätzung der Jugendorganisation korrekt und die Menschenwürde beim Reball nicht gefährdet wird, dürften die einsamen Kämpfer von damals aus zwei Gründen Genugtuung empfinden.

Zum einen: Sie hatten in jeder Hinsicht Recht, während die überbreite Koalition sämtlicher Parteien und Medien vollständig auf dem Holzweg war. Das hat das Oberverwaltungsgericht Lüneburg in der letzten Woche festgestellt.

Zum anderen: Die Einschätzung des Zeitungskommentators hätte falscher nicht sein können. Die unerschrockenen vier auf dem Foto über dessen bissigen Worten heissen nämlich Filter, Ruschmeyer, Försterling und Bernschneider und sind (in der Reihenfolge) heute politisch unter anderem im Landesverband der Jungen Liberalen, dem Landesvorstand der FDP und als sogar Abgeordnete des Niedersächsischen Landtags und des Deutschen Bundestag tätig.

Die Stadt Winsen hat sich währenddessen nicht nur innerhaleb einer rasant wachsenden Sportszene, sondern auch bei nahezu der gesamten Jugend der Luhestadt lächerlich gemacht und, sofern der Betreiber der Reball-Halle seine Verdienstausfälle geltend machen sollte, blindlings zudem noch einen hohen finanziellen Schaden verursacht.

Rat und Verwaltung wären sicher gut beraten, künftig ein etwas offeneres Ohr für die Jugend zu haben. Alter allein scheint in der Tat nicht vor Torheit zu schützen.



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